Gefährliche Weihnachtszeit

Wie Sie sicher die Betriebsfeier zum Jahresende überstehen

Weihnachtsfeiern im Kreise der lieben Kollegen sind fester Bestandteil vieler Firmenkalender. Doch die Idee, das Jahr gesellig bei Punsch, Glühwein & Gebäck Revue passieren zu lassen, somit auch die Geschlossenheit der Belegschaft zu erneuern, birgt auch zahlreiche Fallstricke, die in der Folge schon so manchem Mitarbeiter eine weniger gnadenreiche Zeit beschert haben.

Nachfolgend einige Tipps, wie Sie sicher durch die Gefahren einer betrieblichen Weihnachtsfeier kommen. Und Nein, die Tipps sind nicht ganz ernst gemeint, haben aber durchaus ernsthaften Hintergrund …

Zunächst zur Kleiderordnung. Sie gehen zu einer betrieblichen Weihnachtsfeier. Das lustige Rentierkostüm oder das der Eisprinzessin, mit dem Sie zur Weihnachtsfeier bei Freunden gehen würden, bleibt demzufolge in der Kiste!

Findet eine Betriebsfeier während der regulären Arbeitszeit statt, wird sie auch als solche vergütet. Wer nicht an der verordneten Feier teilnehmen möchte, muss also regulär arbeiten. Wird der ganze Betrieb während dieser Zeit stillgelegt, sagt der Chef an, wann Nichtteilnehmer nach Hause gehen dürfen. Der Chef beendet übrigens auch die Feierstunde.

Findet die Betriebsfeier, also auch die zur Weihnachtszeit, außerhalb der Betriebsstunden statt, ist die Teilnahme freiwillig. Allerdings sollten Sie sich sehr gut überlegen, einfach abzusagen, denn das konnte als (wenig) subtiler Hinweis missverstanden werden.

Nicht nur wegen der derzeitig trendigen (und längst überfälligen) Antigrabscher-Meme #metoo sollten Sie bei der anstehenden Weihnachtsfeier Abstand davon nehmen, Kollegen oder Kolleginnen sexuell zu belästigen. Selbst wenn es bei der Weihnachts- oder Jahresendfeier etwas lockerer als sonst zugehen sollte – lassen Sie sich keinesfalls dazu hinreißen! Nicht nur bei einer Betriebsfeier gilt: Offensive, sexuelle Annäherungsversuche können Abmahnungen oder sogar eine Kündigung zur Folge haben. Das gilt übrigens auch gegenüber Betriebsfremden oder Kunden, die mitfeiern dürfen. Und: Als „unerwünschter sexueller Annäherungsversuch“ gelten auch verbale Vorstöße oder anzügliche Bemerkungen.

Apropos. Lassen Sie sich bei Betriebsfeiern auch nicht dazu hinreißen, sich abfällig oder beleidigend über Kollegen oder gar Vorgesetzte zu äußern. Selbst eine Äußerung, die vorgeblich Mitleid bezeugen soll, beispielsweise, dass der Chef in Wahrheit eine „arme Sau“ sei, können zur fristlosen Kündigung führen, wie im Fall eines Schweißers aus Hamm geschehen (Az. 18 Sa 836/04).

Selbst wenn der eine Kollege, den Sie eh nicht so sonderlich mögen, sich über Ihre Karaoke-Beiträge oder Ihren ungelenken Vortrag eines Weihnachtsgedichtes lauthals lustig macht, dürfen Sie ihn keinesfalls körperlich maßregeln. Und wenn Sie Betriebsrat seien sollten oder im vergangenen Jahr Ihre 25-jährige Betriebszugehörigkeit begangen haben; wer zuschlägt, dem droht die fristlose Kündigung. Übrigens: Auch die Androhung von Gewalt kann eine Abmahnung zur Folge haben.

Auch nach dem dritten Gläschen Glühwein gilt, dass betriebsinterne Informationen oder gar ausgewiesene Betriebsgeheimnisse das bleiben, was Sie sind. Vertraulich. Ganz besonders gilt es, damit aufzupassen, wenn Betriebsfremde zur Weihnachtsfeier eingeladen sind.

Viele Betriebe haben die Sozialen Medien in Ihrem PR-Portfolio. Nicht nur deshalb empfiehlt sich dringend, keine „lustigen“ Fotos zu posten, ganz besonders keine kompromittierenden Schnappschüsse von betrunkenen Kollegen. Das kann schon am nächsten Tag böse Folgen haben – bis hin zu Abmahnung und Kündigung. Lassen Sie also Ihr Smartphone besser stecken.

Auch die ausgelassenste Weihnachtsfeier ist keine automatische Entschuldigung für Ihr Fernbleiben am nächsten Tag wg. „Dicken Kopf“. Wer sich nicht ordentlich krankschreiben lässt, riskiert ebenfalls Abmahnung und im Wiederholungsfall die Kündigung.

Wenn die Weihnachtsfeier außerhalb der Arbeitszeit stattfindet, dann haftet übrigens der Arbeitgeber nicht bei alkoholbedingten Unfällen. Da ist jeder für sich selbst verantwortlich.

Zum Schluss noch ein Tipp für die Chefs, die solche Feierlichkeiten ausrichten. Gerade die Weihnachtsfeier ist eine gute Gelegenheit, den Mitarbeitern zu zeigen, wie sehr man sie schätzt. Chefs sollten allerdings im Hinterkopf behalten, dass Zuwendungen/Essen/Getränke für die einzelnen Mitarbeiter nicht mehr als 110 Euro kosten sollten. Dieser Betrag gilt auch, wenn beispielsweise die Lebenspartner mit eingeladen sind – denn die werden dem einzelnen Mitarbeiter angerechnet. So kann dieser Betrag schnell zusammenkommen. Wird dieser Freibetrag überschritten, wird Lohnsteuer fällig, was Mitarbeitern durchaus sauer aufstoßen könnte. Der Freibetrag gilt übrigens für zwei Betriebsfeiern pro Jahr. Bei weiteren Feiern wird die Lohnsteuer auch dann fällig, wenn der Betrag pro Kopf unterschritten wird.

Vielleicht schon ein Grund, die Weihnachtsfeier abzusagen, angesichts des Firmenjubiläums im vergangenen Sommer und dem Geburtstag des Chefs im Frühjahr?

So, sorry, lieber guter Weihnachtsmann, wir mussten das mal so deutlich ansprechen.

Trotzdem: Auf diesem Wege wünscht Ihnen das Team von BraMeCo eine besinnliche, friedliche Zeit!

Ihre Anja Brandt

PS: Entgegen aller Empfehlungen posten wir ein Foto unser Weihnachtsfeier vom gestrigen Abend. Wie immer war es sehr schön und hat uns allen viel Spaß bereitet. Teamentwicklung führen wir nicht nur für andere Unternehmen durch.  :-))